The Intern (2015)

Start-up-Gründerin Jules lebt mit einem blinden Fleck: Von den positiven Auswirkungen von Vielfalt am Arbeitsplatz hat sie noch nie etwas gehört,
weswegen sie die komplementären Kompetenzen des 70-jährigen Praktikanten Ben zunächst nicht zu nutzen weiß.

Jules Ostin ist die Start-up-Gründerin, wie man sie sich (außerhalb eines Start-ups) vorstellt: Sie hat binnen 18 Monaten ein hippes E-Commerce-Modeunternehmen in einem stillgelegten Fabrikloft in Brooklyn aufgebaut, dessen Umsätze und Mitarbeiter*innenzahlen explodieren. Die Workoholikerin, die zeitsparend und gesundheitsbewusst mit dem Fahrrad durch die Büroetage düst, hat das richtige Gespür für Internet- und Mode-Trends, weiß, wie Service geht und setzt sich auch immer mal wieder selbst ans Servicetelefon, um Beschwerden und Kundenwünsche besser zu verstehen.

Jules überlässt nichts dem Zufall und fährt lieber einmal zu viel bei der Warenauslieferung vorbei, um den Mitarbeiter*innen zu demonstrieren, wie die Ware ordentlich auf den Weg gebracht wird, damit sie geglückt und beglückend bei der Kundin ankommt. 

Anne Hathaway und Christina Scherer in The Intern.
Photo by Francois Duhamel – © 2014 Warner Bros. Entertainment Inc. and Ratpac-Dune Entertainment LLC. All Rights Reserved.

Jules (Anne Hathaway) in The Intern ( Man lernt nie aus, 2015)[1] ist nicht nur Gründerin von About The Fit, sie schmeißt den Laden auch selbst, was dazu führt, dass sie einiges nicht so gut im Griff hat: Sie kommt immer zu spät zu Meetings, weil sie irgendwo anders ein Feuer gelöscht hat, schaufelt sich für Rücksprachen mit Mitarbeiter*innen nur 5 Minuten Zeit frei, übersieht, dass ihre Assistentin in Arbeit ersäuft – die zudem nicht einmal deren Know-how bzw. Abschluss angemessen ist. Und sie hat Widersacher: Die Investoren, die ihr das Geld für diesen Ritt gegeben haben. Diese finden, About The Fit sei zu schnell gewachsen und brauche jetzt eine ordnende Hand, um der weiteren Entwicklung besser Herr zu werden. Hierfür soll Jules einen Geschäftsführer finden, einstellen – und einen guten Teil ihrer bisher alleinigen Entscheidungskompetenz abgeben.

An diesem Punkt tritt Ben Whittaker (Robert de Niro in einer untypischen Sympathen-Rolle)  in ihr Leben bzw. das ihrer Firma. Der Witwer hat sich für ein Rentner-Praktikanten-Programm bei About the Fit beworben („Schriftliche Bewerbungen sind langweilig. Zeigen Sie uns mit einem Video, wer Sie sind!“). Der frühere Leiter eines Telefonbuchverlags überzeugt im Auswahlprozess jede/n, mit dem/der er es zu tun bekommt. Auch wenn die jungen Leute Fragen stellen, wie sie auch in konventionellen Job-Interviews fallen: „Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?“, wird der 70-Jährige gefragt.

Christina Scherer, Robert De Niro und Anne Hathaway in The Intern.
Photo by Francois Duhamel – © 2014 Warner Bros. Entertainment Inc. and Ratpac-Dune Entertainment LLC. All Rights Reserved.

Ben wird Jules als „Intern“, als Praktikant, zugewiesen, die erst Tage später 5 Minuten Zeit, aber keine Arbeit für ihn hat – weil ihr nicht einfallen will, wozu der Senior in ihrem Online-Business praktisch gut sein könnte. So macht er sich an anderer Stelle nützlich: gibt den teilweise in Liebesdingen und in sozialen Gepflogenheiten unbewanderten jungen Nerds hilfreiche Tipps, räumt eine Dreck-Ecke[2] auf, die Jules seit Wochen ein Dorn im Auge ist, und hält den trinkenden Fahrer von Jules davon ab, sich hinters Steuer zu setzen – und übernimmt dann dessen Funktion.

Man lernt nie aus ist ein überaus warmherziger Film, der die unterschiedlichen Gepflogenheiten, Weltsichten und Kenntnisse der Generationen gewitzt zeigt, dabei aber weder die einen noch die anderen vorführt (na gut, die jungen Nerds kriegen schon ihr Fett ab). Jules lebt zwar mit einem blinden Fleck: Von den positiven Auswirkungen von Vielfalt am Arbeitsplatz[3] hat sie noch nie etwas gehört, weswegen sie Bens komplementäre Kompetenzen zunächst nicht zu nutzen weiß. Anders als in vielen Klamotten, in denen die Großstadt-Zicke etwa auf grantelige Hinterwäldler trifft, um dort schließlich ihr Herz und ihre Seele wiederzufinden (Beispiel: New in Town), hat Jules all dies bereits: Sie erkennt gute Absichten und gute Leistungen, wenn sie ihr begegnen, sie kommt von selbst darauf, dass „ihr“ Loft früher die Fabrik von Ben war, und sie weiß auch vor Ben, dass ihr Ehemann eine Affäre hat. Die jung-naiven Sätze in diesem Film sagen andere, etwa: „Telefonbücher? Gibt’s das noch? Kann man das nicht einfach googeln?“ oder „Wir haben uns gestritten. Ich hab ihr aber eine ganz süße SMS geschickt, mit so Smileys…“ Auch die Alten – etwa Jules Eltern – stammen nicht aus dem Arsenal der üblichen (elterlichen) Verdächtigen: Bei ihren kurzen Telefonaten mit ihrer Mutter sagt Jules schnell „Ich muss weiter. Ich ruf dich später an.“ Und ihre Mutter antwortet lapidar: „Nicht nötig.“[4]

Erst recht spät im Film erfahren wir Zuschauer*innen, dass Jules Familie hat: Sie ist verheiratet und hat eine kleine Tochter. Ihr Mann Matt ist Hausmann, bzw. „nicht berufstätiger Vater“, wie das heute heiße. Dafür hat er selbst einen vielversprechenden Leitungsposten aufgegeben, als Jules About the fit gründete. Er hält ihr den Rücken frei, obwohl es vorkommt, dass die Mütter aus dem Kindergarten von Jules erwarten, dass sie doch auch die selbstgemachte Guacamole zur Spielgruppe am Freitagnachmittag mitbringen könne (ob sie das schafft oder wie sie dies managt, wird nicht gezeigt). Sicher: Bei männlichen Entrepreneur-Protagonisten wird nicht lange gegründelt, was die Frau an seiner Seite alles leistet/aufgibt. Als role-model taugt es allemal.

Chefin Jules (Anne Hathaway) brieft die Crew für den Website-Relaunch.
© 2014 Warner Bros.

Praktikant Ben entwickelt sich für Jules mehr und mehr zum guten Geist, zum wertvollen Business-Berater. In seiner unabhängigen Position – er steckt nicht in der Haut von Investoren, der Tretmühle eines Lohnjobs oder in Jules Entrepreneurshaut – steuert er andere Facetten in die Diskussion über das Für und Wider eines neuen Geschäftsführers bei. So gesteht er Jules, dass sie eine Inspiration für ihn darin sei, mit wieviel Herzblut und Detailtreue sie ihr Business ausbaue. Er beobachtet sie und kann aufgrund eigener Erfahrungen in der Geschäftswelt ihr Wirken beurteilen. Und unabhängig von den Problemen, die sich auftun, sagt er ihr: Vergessen Sie nicht: Das haben doch alles Sie allein geschaffen. Das könnte ein anderer gar nicht. 

Rentner*innen in der Arbeitswelt

Rentner*innen in der realen Arbeitswelt gibt es immer mehr: Die einen müssen sich etwas dazuverdienen, weil die Rente nicht ausreicht oder sie als Selbständige keine ausreichende Altersvorsorge treffen konnten. Aber viele wollen auch einfach nicht zum alten Eisen gehören, fühlen sich plötzlich nutzlos oder wissen nichts mit sich anzufangen. Auch für Ben ist der Alltag mit Sprachenlernen, Tai Chi im Park und dem Besuch bei seinen Enkelkindern nicht ausgefüllt, etwas fehlt. Sehr beiläufig – und für Jungspund Jules unerwartet und von ihr zunächst übersehen – wird hier auch die feine Liebesgeschichte zwischen Ben und Fiona, der Firmen-Masseurin (Rene Russo), erzählt. Ben hat also plötzlich wieder eine Partnerin und eine erfüllende Aufgabe. In Man lernt nie aus gewinnt die Story dadurch, dass Ben nicht als Senior-/Silver-Berater/Experte an Jules gerät, sondern als lernwilliger Praktikant eigentlich ganz unten steht. So braucht sie sich nicht bedroht zu fühlen und nicht von einem Business-Senior eines Besseren belehren zu lassen, sondern kann ihre Schlüsse selber ziehen. Es hilft natürlich auch, dass Ehemann Matt ihr ebenfalls gut zuredet.

Dass der Mix der Generationen gut fürs Geschäft sein kann, merken auch immer mehr Unternehmen, die ihre Fach-Rentner*innen reaktivieren, weil der qualifizierte Nachwuchs fehlt. Beschäftigungsfelder und Bedarf gibt es auch projektweise für freiberufliche Berater und Experten aller Art, auch für internationale Einsätze, etwa bei Hilfsorganisationen. Die drei Schweizer Jungunternehmer, die hinter der Community-Plattform rentnerado stehen, vernetzen Rentner*innen, die eine (Dienst-)Leistung anbieten wollen, mit potenziellen Auftraggebern, und sehen im Erfahrungswissen der Älteren einen Schatz, den es zu heben lohnt.[5] 


Für wen?


Der offizielle Trailer.

The Intern (Man lernt nie aus). USA, 2015. Regie & Buch: Nancy Myers


[1] Besteht den Bechdel-Test knapp. Mit dem Bechdel-Test lässt sich prüfen, ob Frauenrollen in einem Film mehr sind als Staffage. Der Bechdel-Test stellt 3 Fragen: 1.) Gibt es mehr als eine Frau mit einem Namen in dem Film?, 2.) Sprechen diese Frauen miteinander?, 3.) Sprechen sie über etwas anderes als über Männer? Man lernt nie aus hat zwar eine starke weibliche Hauptrolle, aber nur wenige weitere Frauenrollen mit einem Namen: Mit ihrer Assistentin Becky spricht Jules natürlich über arbeitsbezogene Themen. Hier geht’s zur Liste der getesteten Filme: http://bechdeltest.com/year/2019

[2] Es handelt sich um einen Tisch, auf dem Schachteln und Proben und ähnliches landen. Man kann an diesem täglich wachsenden Müllberg schön die Broken-Window-Theorie beobachten: Wo einmal Müll bzw. Gegenstände liegen, von denen keiner weiß, wo sie besser hinsollten, gelangt über die Zeit immer mehr desgleichen hin.

[3] Zum Weiterlesen die Seiten der Unternehmensinitiative Charta der Vielfalt: www.charta-der-vielfalt.de

[4] Auch Jules Eltern haben einen Beruf: Sie sind Schlafforscher, und haben gerade durch eine Studie herausgefunden, dass weniger als 6 Stunden Schlaf pro Nacht dick machen. What the…!

[5] „Rentnerado steht für eine Gemeinschaft über Generationsgrenzen hinweg. Die demografische Alterung ist als Errungenschaft der modernen Gesellschaft zu würdigen, und mit ihren Chancen und Herausforderungen ernst zu nehmen.“ https://rentnerado.de/ueber-rentnerado, abgerufen am 13.1.2019

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