The Abyss (1989)

Bud Brigman ist genau der Mann, den man dabeihaben will, wenn man in gefährlicher Mission unterwegs ist, wenn man halsbrecherische unternehmerische Entscheidungen zu treffen und umzusetzen hat, wenn man unerprobte Technik einsetzen oder innovative Lösungswege beschreiten will.

Dieses Unterwasserdrama ist ein gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn (bereichsübergreifende) Teams nicht funktionieren oder jeder seine eigene Agenda hat. Auch natürlich für den systemimmanenten Machtkampf zwischen verschiedenen Regierungsorganisationen und -hierarchien.

Bud Brigman (Ed Harris) ist Chef auf der privaten Unterwasserölbohrinsel DeepCore, die Ingenieurin und seine Noch-Ehefrau Lindsey (Mary Elizabeth Mastrantonio) gebaut hat. Als ein U-Boot der US Navy mit geheimen Atomsprengköpfen an Bord in der Nähe der DeepCore am Meeresboden havariert und über eine Felskante in die Tiefe sinkt, werden Bud und sein Team engagiert, ein Rettungsteam der Navy Seals an Bord zu nehmen und mit diesem zusammen etwaige Überlebende zu evakuieren.

Bud (2. von links) mit seinem Team. © Twentieth Century Fox.

Aber die Navy Seals haben eigene Pläne, ihnen geht es um die Sicherung von Atomsprengköpfen, von denen die DeepCore-Mannschaft keine Ahnung hat. Zudem leidet einer der Navy Seals nach dem Absinken in die Tiefe am tückischen High Pressure Nervous Syndrome (HPNS), dem Heliumtremor, was zu einem unberechenbaren Verhalten und bei ihm auch zu Verfolgungswahn und kompletten Fehleinschätzungen führt. DeepCore-Ingenieurin Lindsey kommt ebenfalls an Bord (wofür es keine hinreichende Erklärung gibt, außer, dass sie für den Plot gebraucht wird). Und sogleich gehen die Streitereien und Keifereien zwischen den Noch-Eheleuten los, die sich eigentlich aus dem Wege gehen wollen und nun wieder auf engstem Raum zusammengepfercht sind. Also schlimmstmögliche Voraussetzungen für eine Rettungsaktion in gefährlicher Tiefe.

Bud Brigman hat aber ein Team, das ihm überallhin folgen würde. Die Männer (und eine Frau) arbeiten schon sehr lange zusammen, sind traumwandlerisch eingespielt, und vertrauen sich blind. Das müssen sie auch, das ist in diesem Job essentiell[1]. Die Mannschaft erinnert an die friedliche Besatzung der Nostromo am Anfang von Alien (1979).

Wenn nun Buds Konzentration durch nervige Beziehungskämpfe[2] leidet, der Anführer der Seals das Oberkommando für sich beansprucht, und von der Einsatzleitung auf der Meeresoberfläche oben noch jeder ein Wörtchen mitzureden dürfen meint, stehen die Zeichen nicht gut dafür, dass die Mission gelingen wird. Aber Bud bewahrt die Ruhe, greift besonnen in eine Auseinandersetzung zwischen dem Seal-Mannschaftsführer und seinen Leuten ein, die es nicht gewohnt sind, militärisch rumkommandiert zu werden, und weiß in jeder Minute genau, was auf seiner ‚Rig‘ vor sich geht. Als schließlich durch das Durcheinander mit den Navy Seals (fast) alles verloren scheint – etwa eine Rettungskapsel –, übernimmt es Captain Bud, mit Gewichten beschwert auf den allertiefsten Meeresboden hinabzusinken, um einen Sprengkopf zu entschärfen. Wohl vorausahnend, dass er realistischer Weise nicht zurückkommen wird[3]. Nur so viel: Es kommt dann anders.

Unterwasser-Experte Bud Brigman (Ed Harris). © Twentieth Century Fox.

Bud Brigman jedenfalls ist genau der Mann, den man dabeihaben wollte, wenn man in gefährlicher Mission unterwegs ist, wenn man halsbrecherische unternehmerische Entscheidungen zu treffen und umzusetzen hat, wenn man unerprobte Technik einsetzen oder innovative Lösungswege beschreiten will.[4] Als Chef steht er hinter seinen Mitarbeiter*innen, verlässt sich aber auch auf deren Expertise (Stichwort: Flüssiger Sauerstoff); in Auseinandersetzungen mit den Mächtigen vertritt er seine Position, und sucht unermüdlich nach dem besten Weg, ein Problem zu lösen.


Für wen?

  • Führungskräfte und solche, die es werden wollen;
  • Teams in Change-Prozessen;
  • Teams, die von Firmenfusionen betroffen sind;
  • Mitarbeiter*innen in Stäben und Projekten mit unklaren Führungsstrukturen;
  • Marinemitglieder, die mit zivilen Mitarbeiter*innen zusammen arbeiten (und umgekehrt);
  • Meeresbiolog*innen (inkl. Studierende).

  • The Abyss (Abyss – Abgrund des Todes). USA, 1989. Buch & Regie: James Cameron

[1] Das gilt auch für ähnliche Situationen in Raumschiffen, auf Booten aller Art, beim Bergsteigen, am OP-Tisch.

[2] Wirklich. Der Film könnte 1 Stunde kürzer sein und Mary Elizabeth Mastrontonio würde um einiges sympathischer in Erinnerung bleiben. Dass dies eine belastende Situation ist, obwohl die Streithähne sich noch immer lieben, kapieren Zuschauer*innen bereits nach wenigen Momenten. So lenkt die ganze Streiterei vom ohnehin schon komplizierten Plot ab und den vielen Personen, die hier Zeilen aufzusagen haben. In der normalen Kinoversion hat es dann nicht mal mehr zu dem gereicht, wofür der Film heute verehrt wird: Für das cameronesque, die Bilderwelten von Avatar (2009) vorwegnehmende Universum einer Gesellschaft von Unterwasseraliens.

[3] Diesem Plotstrang folgte 9 Jahre später Armageddon (1998). Es ist das Äußerste, was ein Chef tun kann.

[4] In einer Szene überredet Lindsey Bud, sie aufgrund einer prekären Sauerstoffsituation, „sterben“ zu lassen, sie zu retten und dann eine Wiederbelebung zu probieren. Hatte Tom Tykwer diese Szene im Blick, als Charlotte Ritter eine gefühlte Ewigkeit unter Wasser bleibt, bis Gereon Rath sie doch noch retten kann, an Land schleppt – und wiederbelebt? Siehe „Babylon Berlin“, Teil 8., 2. Staffel.

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