Horrible Bosses (2011)

Horrible Bosses ist „9 to 5“ auf unsere Zeit angewandt. Die satirische Klamotte mit viel kathartischem Potenzial für Leidende in der Arbeitswelt bringt ihre drei Protagonisten mit Albtraum-Bossen zusammen.

Der fiese Boss in Person: Kevin Spacey als Dave Harken hat Nick am Haken. Horrible Bosses (2011). (c) New Line Cinema.

Drei Freunde mit dem gleichen Problem: schrecklichen Bossen.

Nick (Jason Bateman) parkt morgens als Erster auf dem leeren Firmenparkplatz: „Der Schlüssel zum Erfolg ist, sich alles gefallen zu lassen. Das mache ich seit acht Jahren. Ich bin als Erster da und als Letzter weg… Meine Oma hat aus 20 $ am Ende ihres Lebens 2000 $ gemacht – das ist doch scheiße. Ich stehe ganz kurz vor einer dicken Beförderung und kriege mein eigenes Büro… Die einzige Hürde: Dave Harken, der mich gerade zusammenfaltet, weil ich 2 Minuten zu spät gekommen bin.“

Dale (Charlie Day): „Ich fühlte mich immer berufen, Ehemann zu sein. Dummerweise wird man von keinem bezahlt, wenn man nur Ehemann ist. Deswegen musste ich mir einen Job suchen. Ich habe schon immer Zahnärzte bewundert. Sie sind intelligent, haben was drauf und sorgen für die Gesundheit unserer Zähne. So wurde ich selbst einer. Na gut, ich wurde nur Zahnarzthelfer. Das ist im Grunde genau das Gleiche, nur dass ich viel weniger verdiene.“ Dale ist blöderweise registrierter Sexualstraftäter, weil er nachts in der Nähe eines Kinderspielplatzes gepinkelt hat. Deswegen ist er beruflich nicht so mobil, wie er es gerne wäre, denn seine Chefin Dr. Julia Harris (Jennifer Aniston) ist „eine miese geile Schlampe“: sexuell übergriffig. Jetzt erpresst sie ihn gar mit Fotos, die sie heimlich von ihm gemacht hat.

Ganz anders geht es Kurt (Jason Sudeikis), anfangs zumindest: „Ich liebe meinen Job. Wer seinen Job hasst, ist ganz allein selbst dran schuld. Jeder ist seines Glückes Schmied, und ich habe mir hier ein ganz schönes geschmiedet. Ich bin in der Buchhaltung eines Chemieunternehmens. …Der eigentliche Grund, warum ich hier bin, ist dieser Mann: Jack Pellit. Der liebenswürdigste Mensch, den ich kenne. Er liebt mich und ich liebe ihn. Alle lieben ihn. Der einzige Haken an dem Job, ist der Sohn von meinem Boss, sein beknackter Kokskopf von Sohn.

Das 9 to 5 von heute

Horrible Bosses (Kill the Boss, 2011 – deutscher Verleihtitel: Augenroll) von Seth Gorden ist „9 to 5 auf unsere Zeit angewandt. Die satirische Klamotte mit viel kathartischem Potenzial für Leidende in der Arbeitswelt bringt ihre drei Protagonisten mit Albtraum-Bossen zusammen: narzisstisch, manipulativ, perfide, politisch unkorrekt, sexuell übergriffig. Wobei hier als nette Geschlechter-Variante Jennifer Aniston die sexuell übergriffige Chefin gibt (die darüber hinaus weiß, dass ihr Angestellter sich rechtlich nur schwer wehren kann).

Horrible Bosses zeigt aber nicht nur die Bosse, sondern auch drei unterschiedliche Angestellten-Persönlichkeiten: den Karrieristen, der dem Aufstieg jegliche Integrität opfert, der aber im Grunde daran glaubt, dass das System genau so funktionieren muss; den Harmonieorientierten ohne große berufliche Ambitionen; den Vollblut-Firmenmanager, eins mit der Firma, motiviert durch einen wertschätzenden Chef (zuerst), und dann im Konflikt, weil er die Werte des neuen Bosses nicht teilt und unethische Entscheidungen treffen soll.

Wie bei 9 to 5 kommt irgendwann bei jedem dieser drei der Punkt, wo der Michigansee übergelaufen ist. Nick weiß es ja eigentlich besser, aber sein Boss hat immer wieder leichtes Spiel mit ihm, dem perfekten Opfer. „Ich weiß, Sie haben sich den Arsch aufgerissen, um befördert zu werden, aber ich weiß nicht, ob ich es in Betracht ziehen kann, Sie zum Vizechef der Verkaufsabteilung zu machen. Sie wollen befördert werden? Tun Sie was dafür! Hier, diese Arbeit muss bis Montag erledigt sein, arbeiten Sie das Wochenende durch.“ „Was“ dafür getan hat Nick freilich schon eine geraume Ewigkeit.

Beim Meeting, bei dem Naivling Nick siegesgewiss in die Runde blickt, und zu dem sein Boss (Kevin Spacey) zu spät erscheint, kanzelt dieser Nick zunächst herab „Ich glaube, ich muss mich bei Ihnen nicht an- und abmelden, oder?“, um ihm dann über den Mund zu fahren, als der sich verteidigen will: „Nick, ich bitte Sie, wir sind mitten in einem Meeting.“ Schließlich verkündet er: „Wenn man will, dass etwas richtig gemacht wird, dann muss man es selbst machen.“ Also wird niemand befördert, der Chef ist jetzt in Personalunion auch Vizechef. In einer kleinen Traumsequenz wirft Nick seinen Boss an dieser Stelle aus dem Fenster (auch eine Referenz auf 9 to 5).

Ich brauche Sie in der Position, in der Sie sind.

Dennoch sucht Nick noch einmal das Feedbackgespräch mit seinem Boss, will verstehen, was schiefgelaufen ist, um – Sisyphus – noch einmal für sich zu werben.

Sie haben monatelang Andeutungen gemacht, dass Sie mich befördern wollen. Haben Sie mich nur belogen?“ – „Belogen? Nein, Nick, motiviert! Wir spielen doch alle im selben Team. Dazu kommt, dass ich derjenige bin, der die ganze Extraarbeit hat.“ – „Den letzten Monat haben Sie mich so hart arbeiten lassen, ich konnte mich nicht mal von meiner Großmutter verabschieden. Sie meinten, wenn ich früher gehe, fliege ich raus. Sie ist gestorben, bevor ich im Krankenhaus war.“ – „Ich brauche Sie in der Position, in der Sie sind.[1] – „Dumm gelaufen. Ich habe die Stellung hier seit acht Jahren. Warum sollte ich noch hierbleiben, wenn ich so behandelt werde?“

Und nun lässt Boss Harken alle Masken fallen: „Weil ich dafür sorgen würde, dass keiner in der Branche Sie jemals wieder einstellt… Es würden alle ein Empfehlungsschreiben sehen wollen, richtig? Ich bin durchaus gewillt zu schreiben, dass Sie ein aufmüpfiger, unwilliger Säufer sind. Ich will Ihnen mal was sagen, Sie dämliches kleines Würstchen: Sie gehören mir. Sie sind meine Marionette. Kommen Sie nicht auf die Idee, Sie hätten einen freien Willen. Den haben Sie nicht. Ich kann Sie jederzeit fertigmachen. Gewöhnen Sie sich dran. Denn es wird ein langer Weg für Sie.

Junge, dies wird eines Tages alles dir gehören.

Kurt erlebt derweil den schönsten wie den schrecklichsten Moment seines Berufslebens. Boss Jack Pellit (Donald Sutherland) sagt zu ihm: „Sie sind doch bei uns glücklich? Gut. Sie haben hier eine aussichtsreiche Zukunft. Sehr bald sind Sie es, der hier den Laden schmeißt.“ Sagts, steigt in sein Auto und erleidet einen Herzinfarkt. Kommt also anders.

Der Neu-Chef, Kokskopf Bobby (Colin Farrell als Widerling), ist so gar nicht nach seinem gütigen Vater geraten. Von Buchhalter Kurt will er wissen, warum das Geschäft so hohe Kosten verursache. Kurt: „Ihr Dad wollte, dass wir unsere Chemieabfälle verantwortungsvoll entsorgen, und das kostet nun einmal ein bisschen mehr.“ Das soll er ab jetzt mal schön bleiben lassen. Außerdem will Bobby „das Fett absägen“. „Du musst die Fetten rauswerfen. Die sind fett und lahm und ich werde traurig, wenn ich sie sehe.“ Kurt sieht sich vor das Dilemma gestellt, den Kollegen im Rollstuhl und die (vermeintlich) schwangere Kollegin rauszuwerfen, sonst feuere er, Bobby, sie alle drei.

Kündigen? Was dann?

Abends in der Kneipe trinken die drei sich Mut an. Kurt: „Warum sollte ich den guten Ruf von Pellit retten, wenn nicht mal sein eigener Sohn es tut? Es gibt ne Million anderer Jobs da draußen. Ich kündige!

Einen Dämpfer erhalten sie in dieser Situation von einem alten Schulfreund. Auftritt Kenny in der Kneipe. Der hat früher bei Lehman Bros. gearbeitet, findet seit zwei Jahren keinen Job, nicht mal als Kellner will man ihn nehmen.

Kündigen?

Überlegt mal. Wir könnten unsere Jobs kündigen und so werden wie Kenny. Oder wir behalten unsere Jobs und werden zu Versagern, die keinen Arsch in der Hose haben und ständig davon träumen, ihre Vorgesetzten umzulegen.“ Oder ist das vielleicht die Lösung?

Das ist nicht krank, wir lassen nur Dampf ab.“

Die Albtraum-Bosse sorgen jeweils auf ihre Weise dafür, dass ihre Mitarbeiter den für den Zuschauenden naheliegenden Ausweg, zu kündigen und sich einen besseren Job (und Boss) zu suchen, nicht in Betracht ziehen. Lieber soll es der in Hitchcock-Manier über Kreuz ausgeübte Mord am jeweils anderen Boss richten.

Eine kathartische Wirkung für all jene, die meinen, in einer verfahrenen Situation keinen Ausweg zu sehen, bietet der Hau-drauf-Film mit seinen vielen überzogenen Einfällen allemal. 

Warum landen so viele inkompetente Männer in Führungspositionen?

Für alle, die sich wie diese drei hier von ihren Chefs aus den unterschiedlichsten Gründen drangsaliert fühlen, wirft Business Insider einen überaus erfrischenden Blick auf die Mechanismen, wer überhaupt in erster Linie Chef*in wird (abgerufen am 27.12.2021). Laut dem Organisationspsychologen Tomas Chamorro-Premuzic (TEDx Talk der University of Nevada, abgerufen 24.01.2020) seien dies vor allem Leute mit dem größten Selbstbewusstsein und charismatische Narzissten – Eigenschaften, die unter Männern häufiger vorkämen als unter Frauen.[2]

Arbeitspsychologe Markus Dobler klassifiziert laut einem Artikel auf Business Insider wiederum drei Arten von schlechten Chefs: Die unklare Führungskraft, die Nicht-Entscheider-Führungskraft und die cholerisch-respektlose Führungskraft[3] – und wie man mit ihnen umgehen sollte.

In Boss Harken finden wir alle Ausprägungen eines narzisstischen Chefs und einer cholerisch-respektlosen Führungskraft vereint.


Für wen?

  • Beschäftigte, die feststecken;
  • Angestellte, die gebosst oder gemobbt werden;
  • Mitarbeiter*innen mit miesen Chef*innen;
  • Arbeitnehmer*innen, die alles für die Karriere opfern;
  • Beschäftigte, die an eine Kündigung denken oder gekündigt wurden;
  • Führungskräfte.

Horrible Bosses (Kill the Boss). USA, 2011. Regie: Seth Gordon. Drehbuch: Michael Markowitz, John Francis Daley, Jonathan Goldstein


[1] Das ist meistens der Grund, warum Leute klein gehalten werden.

[2] Auf diesen Seiten finden sich allerdings einige wenige weibliche Gegenbeispiele…, oh halt, bisher nur eines: Katharine Parker (Working Girl – Die Chefin). Patty Hewes würde ich nicht als Narzisstin klassifizieren. Oder?

[3] Der Beitrag zur cholerisch-respektlosen Führungskraft wird hier passender Weise mit einem Szenenfoto von Kevin Spacey aus „Horrible Bosses“ illustriert (siehe Slide-Show unten im Artikel; abgerufen am 24.01.2020)

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