Desk Set (1957)

Happy Holidays! Auskunftsbibliothekarin Bunny Watson ist fachlich Spitze, pflegt zu jeder ihrer drei Mitarbeiterinnen eine persönliche Beziehung, unterstützt sie fachlich und sorgt für eine freundliche Unternehmenskultur in ihrer Abteilung. Und sie ist dabei die typische Mittelmanagerin.

Es weihnachtet sehr im Reference Department. Foto der Co-Workers Joan Blondell und Katharine Hepburn in "Desk Set".  Copyright 20th Century Fox via www.imdb.com
Es weihnachtet sehr im Reference Department. Co-Workers Joan Blondell und Katharine Hepburn in „Desk Set“. ((c) 20th Century Fox via imdb.com)

Bunny Watson ist die Chefin, die wohl jeder gerne hätte. Sie weiß, wie die Rentiere von Santa Claus[1] heißen und kann sich merken, wie viele Leute in Chappaqua aus dem Zug gestiegen sind[2]. Sie pumpt ihren Mitarbeiterinnen kleinere Geldbeträge, denkt ans Weihnachtsgeld für den Botenjungen und passende Geschenke für alle im Büro. Sie unterhält mit Sekretärinnen[3]anderer Abteilungen gute Beziehungen, und hat deswegen manches Mal den einen oder anderen Informationsvorsprung. Weihnachten geht sie mit ihren Mädchen auch mal in die Nachbarabteilung, um gemeinsam zu tanzen und zu feiern. Über alldem sind ihre Antennen auf kleinste Anzeichen von Missstimmungen im System geeicht, und Gerüchten, die die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiterinnen betreffen, geht sie auf den Grund.

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Blue Jean (2022)

Offen lesbisch zu leben wie ihre Partnerin Viv kommt für Jean nicht in Frage. Die Sportlehrerin sieht für sich im homophoben England von Margaret Thatcher keine Alternative zu einem Doppelleben.

Szenenfoto mit Rosy McEwan als Sportlehrerin  Jean Newman
Rosy McEwan als Sportlehrerin Jean Newman. (c) Salzgeber

Thatcher-England, 1988. Das britische Parlament bringt gerade ein neues Gesetz auf den Weg, Clause 28, das eine „Förderung“ von Homosexualität verbietet. Besonders betroffen sind öffentliche Einrichtungen wie kommunale Beratungsstellen und Schulen, an denen Homosexualität nun nicht mal mehr neutral thematisiert, geschweige denn gelebt werden darf.

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Joy: Alles außer gewöhnlich (2015)

Die Farce Joy führt stark überzeichnend vor, wie viel härter jemand kämpfen muss, dem die Chancen auf materiellen Wohlstand und eine kreative Laufbahn als Problemlöserin nicht in den Schoß gefallen sind.

Joy (Jennifer Lawrence) steht als Entrepreneurin komplett ohne Unterstützung da, verkörpert aber den amerikanischen Traum von der Self-Made-Millionärin, der das mitnichten in die Wiege gelegt war (außer der Intelligenz und dem Talent). Zwar hat sie schon als Kind vor allem mit ihren Händen „gedacht“ und nützliche Dinge erfunden, gezeichnet und Prototypen gebastelt – etwa ein leuchtendes Hundehalsband mit Klettverschluss. Aber es ist ein langer, steiniger Weg, der Joy vom maroden Elternhaus in Long Beach, Long Island, bis zur Dynastie mit „hunderten bahnbrechenden Patenten“ führen wird – und auf dem sie sich eisern und gegen buchstäblich alle Widerstände durchbeißt. 

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Good Sam (1948)

Happy Holidays! Sam, ein Bruder ganz im Geiste von Happy-Go-Lucky Poppy, ist als Privatmann wie als Angestellter einfach immer überbordend menschenfreundlich. Das hat eines Tages unerwartete Konsequenzen.

Szenenfoto mit Gary Cooper und Ruth Roman.
Chefverkäufer Sam Clayton legt Hand an. Good Sam. © Rainbow Productions.

In Der beste Mann der Stadt (Good Sam, 1948) ist der Kaufhaus-Direktor nach herkömmlichen (und bis heute gültigen Maximen) ganz normal: Er sagt seinem freundlichen Chefverkäufer Sam, der solle sich besser nicht um die Namen von Kund*innen und die Entwicklung deren Nachwuchses kümmern, wenn dabei nur der Verkauf eines Beißrings rumkomme. Auch sei man kein Auskunftsbüro, wenn jemand nach dem Weg frage.

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The Secret Life of Walter Mitty (2013)

Filme (und ihre Rezensent*innen) bemühen gerne das Klischee des öden Archivjobs. Walter Mittys Job als Bildredakteur wird jedoch erst zu einem Fiasko, als er einen Chef bekommt, für den Verhöhnen ein legitimes Führungsinstrument ist.

Inspiriert: Walter Mitty Life Magazine Cover. © Artwork by Michael Tersieff. https://www.behance.net/gallery/73452589/Walter-Mitty-Life-Magazine-Cover

In Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (2013) bekommt der träumerische Bildredakteur Walter Mitty (Ben Stiller) mit Ted Hendricks (Adam Scott) einen neuen Chef, der die perfekte Hassfigur ist, nicht nur für kreative Medienschaffende aller Art.

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Horrible Bosses (2011)

Horrible Bosses ist „9 to 5“ auf unsere Zeit angewandt. Die satirische Klamotte mit viel kathartischem Potenzial für Leidende in der Arbeitswelt bringt ihre drei Protagonisten mit Albtraum-Bossen zusammen.

Der fiese Boss in Person: Kevin Spacey als Dave Harken hat Nick am Haken. Horrible Bosses (2011). (c) New Line Cinema.

Drei Freunde mit dem gleichen Problem: schrecklichen Bossen.

Nick (Jason Bateman) parkt morgens als Erster auf dem leeren Firmenparkplatz: „Der Schlüssel zum Erfolg ist, sich alles gefallen zu lassen. Das mache ich seit acht Jahren. Ich bin als Erster da und als Letzter weg… Meine Oma hat aus 20 $ am Ende ihres Lebens 2000 $ gemacht – das ist doch scheiße. Ich stehe ganz kurz vor einer dicken Beförderung und kriege mein eigenes Büro… Die einzige Hürde: Dave Harken, der mich gerade zusammenfaltet, weil ich 2 Minuten zu spät gekommen bin.“

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